Dimitré Dinev

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Beruf: Schriftsteller
Geburtsjahr: 1968
Wurzeln: Bulgarien

Aufstieg vom Flüchtling zum gefeierten Literaten – Dimitré Dinev hat eine abenteuerliche Geschichte hinter sich.

Dimitré Dinev wurde 1968 in Plowdiw, Bulgarien geboren und  hat eine abenteuerliche Geschichte hinter sich:

1990 floh der Absolvent des deutschsprachigen Bertolt-Brecht-Gymnasium in Pasardschik, Bulgarien über die “grüne Grenze” nach Österreich. Eine der ersten Stationen war das Flüchtlingslager Traiskirchen. Es folgten harte, mehr als harte Jahre in Wien. “Ich habe auf Baustellen gearbeitet, ich war Gärtner, ich war Kellner, ich habe in Casinos gearbeitet, Würstel verkauft, hin und wieder habe ich auch Übersetzungen gemacht, dann war ich Restaurator und Vergolder”, listet Dinev auf.  “Ich habe ‘gehackelt’, wie man in Österreich sagt, acht bis zehn Stunden pro Tag. Danach bin ich nach Hause gekommen und habe mich Schlafen gelegt. In der Nacht bin ich aufgestanden und habe geschrieben.” Die Anstrengung hat sich gelohnt. Für seinen meisterhaften Romanerstling hat Dimitré Dinev hervorragende Kritiken geerntet.

Nikolai Gogol und Lew Tolstoi nennt Dinev als große Vorbilder. Was den Umfang seines Roman-Erstlings betrifft – 600 Seiten – kommt der junge Bulgare seinen Idolen schon recht nahe. Dass er auf deutsch schreiben möchte, war für Dinev seit vielen Jahren klar: “Ich habe entschieden, deutsch zu schreiben, weil das die Sprache ist, mit der ich beschimpft und geliebt werde, die Sprache, mit der ich mein Brot kaufe und meine Arbeit gesucht habe – und vor allem die Sprache, die ich jeden Tag auf der Straße höre.”               

Dimitré Dinev hat seine bulgarischen Wurzeln nicht vergessen. Bei der Präsentation seiner Erstlingsromans in einer Wiener Buchhandlung hieß es für den Autor “Back to the roots”. Dinev fühlt sich in Wien längst heimisch. Im Sommer 2003 hat der Schriftsteller die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen bekommen. Trotzdem: Die vielbesungene Wienerstadt, die Heimstätte des Linkswalzers und der Heurigenseligkeit, hat Dinev von einer weniger charmanten Seite kennen gelernt: “Wien kann auch eine sehr harte Stadt sein, eine Stadt, wo man solche existenziellen Erfahrungen macht wie einer, der nach Indien geht, um sie dort zu suchen.”

Dimitré Dinev hat Wien von unten kennen gelernt. Jetzt hat er es weit nach oben geschafft: Das Gedränge bei der Präsentation seines ersten Romans ist beachtlich. Hätte sich Dinev das vor 20 Jahren träumen lassen, als antikommunistischer Gymnastiast in Plovdiv, dass er einmal in Zusammenarbeit mit der bulgarischen Botschaft einen Roman in Wien präsentieren würde? “Das hätte ich nicht gedacht, besonders als ich im Lager Traiskirchen auf dem Bett lag, mit zehn Albanern in einem Zimmer, habe ich mehr über andere Dinge nachgedacht, als über die bulgarische Botschaft.”
Seit 1991 schreibt er in deutscher Sprache Drehbücher, Erzählungen, Theaterstücke und Essays. Seinen literarischen Durchbruch schaffte er 2003 mit seinem Familienroman Engelszungen, der europaweit mit großem Interesse aufgenommen wurde.

 

Werke
Russenhuhn (Stück), 1999 WUK, Wien
Die Inschrift (Erzählungen), 2001
Engelszungen (Roman), 2003
Ein Licht über dem Kopf (Erzählungen), 2005
Haut und Himmel (Stück), 2006 Rabenhof, Wien
Das Haus des Richters, (Stück) 2007 Akademietheater, Wien
Eine heikle Sache, die Seele (Komödie) 2008 Volkstheater, Wien

Auszeichnungen
1992: Große Drehbuchförderung des ÖFF (Österr.Filmförderungs-Fonds)
2000: Literaturpreis „Schreiben zwischen den Kulturen“ der edition-exil, Wien
2001: 1.Preis Literaturwettbewerb andiamo-Verlag und Kulturamt Mannheim
2002: 1.Preis Satirewettbewerb der Akademie Graz
2002: Mannheimer Literaturpreis
2003: Förderungspreis der Stadt Wien
2004: Förderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft
2004: Buchpreis der Arbeiterkammer Oberösterreich
2005: Adalbert-von-Chamisso-Förderpreis der Robert Bosch Stiftung
2007: Askeer (bulgarischer “Theater-Oskar”) für “Haut und Himmel”



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