Marko Iljic

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„Ihr seid der Motor der Integration der neu zugewanderten jungen Menschen“

Beruf: Integrationsbeauftragter des österreichischen Hilfswerk
Geburtsjahr: 1962
Wurzeln: Kroatien

Marko Iljic ist fachlicher Abteilungsleiter der Nachbarschaftszentren des „Wiener Hilfswerk“.


Als ein von den Eltern im Sommer 1972 nach Wien „verschlepptes“ neunjähriges Kind bin ich nicht freiwillig zugewandert. Die ersten Monate in der fremden Stadt waren für mich ein purer Horror, die dazu gehörigen negativen Bilder und meine damalige Gefühlslage sind bis heute in mir fest eingeprägt. Für meine MitschülerInnen in der damaligen dritten Volksschulklasse in der Einsiedlergasse war ich, als einziges ausländisches Kind, ein richtiger Exote. Es war viel Neugierde seitens der MitschülerInnen und LehrerInnen vorhanden, Verständnis für ein „sprachloses“ Kind konnte ich nur bei den Wenigsten fest stellen. Die heutige Situation an vielen Volksschulen in Wien ist oft diametral zu meinem Schuljahr 1972/73, viel mehr Kinder sind am Weg zur Integration in die Schulklasse und somit auch in die Gesellschaft, die Mehrzahl dieser Kinder mit Migrationshintergrund sind geborene WienerInnen. Deshalb mein Appell an die jungen Menschen: Unterstützt die neu zugewanderten MitschülerInnen nach euren Möglichkeiten, ihr habt einige davon in eurer Klasse. Euer Vertrauen und der vorurteilsfreier Umgang mit diesen wird euch mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrfach positiv zurück gegeben. Das Elternhaus und die Öffentlichkeit werden euch oft und regelmäßig auf die Probe stellen, ihr solltet auf deren negative Vorurteile mit Neugierde und Menschlichkeit reagieren. Zugewanderte Kinder, die eine menschenwürdige Behandlung auf der eigenen Haut spüren, sind von Anfang an offener für die neue Gesellschaft, für die neue Sprache und Kultur. Nur wenn deren Sprache und Kultur eine Aufwertung erfahren, ist die Flucht in eine isolierte „Parallelgesellschaft“ für sie unattraktiv. Ihr seid der Motor der Integration der neu zugewanderten jungen Menschen, die Generation vor euch hat diese Aufgabe ganz eindeutig nicht gut bewältigt und kämpft verbittert mit den Folgen der eigenen gesellschaftspolitischen Entscheidungen, sowohl auf der großen Bühne der Politik als auch im Bereich der kleinen Nachbarschaftskonflikte. Fürchtet euch nicht vor den Fremden, das Vertraute ist ein Ergebnis der Bemühungen beider Seiten.

· am 2. November 1962 in Brčko (Bosnien-Herzegowina) geboren
· bereits 1963 Auswanderung nach Kroatien (Soljani), ein Jahr später Umzug in den Nachbarort Vrbanja
· im September 1969 Schulstart in Vrbanja (Grundschule)
· im Sommer 1972 dritte Wanderung, die erste in das Ausland, nach Wien. Die Züge benötigten für die 650 km einen ganzen Tag. Die Familie bestand aus meinen Eltern, zwei jüngeren Schwestern und, als Jüngstem, meinem Bruder.
· im September 1972, nach drei Wochen Wien-Aufenthalt, Schulstart in des Volksschule Leopoldsgasse (Wien 2), Wiederholung der in Kroatien absolvierten dritten Schulklasse.
· im November des gleichen Jahres die erste Übersiedlung und Besuch einer neuen Schule (VS Einsiedlergasse, Wien 5)
· 1974 Wechsel in die Hauptschule Embelgasse, in diesem Jahr Beginn einer Fußball-Nachwuchskarriere beim Wiener Sportclub;
· 1975 der nächste Umzug, diesmal in den 19. Bezirk. Die neue Hauptschule war jene In der Krim. In der ganzen Pflichtschulzeit kein Unterricht in der Mutter- (und Vater)sprache Kroatisch.
· 1978 bis 1982 Besuch des BORG Hegelgasse 12 in der Inneren Stadt, Abschluss mit Matura, Selbtsstudium der kroatischen Sprache. Ende der Fußballer-Karriere wegen schwerer Knieverletzung.
· 1980 Erlangung der Österreichischen Staatsbürgerschaft, vierte Übersiedlung in Wien, diesmal in den 23. Bezirk
· 1982-1984 Studium der Biochemie, danach Wechsel zum Studium der Geografie, Studium-Abschluss im Juni 1990
· 1986 Gründung einer Pfarr-Fußballmannschaft (HSKD Croatia), diese ist bis heute aktiv
· im September 1987 eine dreiwöchige Radtour entlang der türkischen Schwarzmeerküste absolviert, 1988/89 eine zweimonatige Radtour an der Mittelmeerküste der Maghreb-Länder (Marokko, Algerien, Tunesien)
· seit November 1990 bis heute Mitarbeiter des Wiener Hilfswerks (Einstieg über sog. Akademikertraining, 1993/94 beim Hilfswerk Austria als Projektleiter Internationaler Hilfsaktionen), derzeit Abteilungsleiter der zehn Nachbarschaftszentren des Wiener Hilfswerks
· seit 1990 mehrere Funktionen bei kroatischen Vereinen in Wien (u.a. Obmann der Österreichisch-Kroatischen Gemeinschaft für Kultur und Sport, des größten kroatischen Vereines in Österreich)
· seit 1997 verheiratet, 2 Töchter (Jg. 1999 und 2003)
· 2002 bis 2004 Mitglied des Kuratoriums des Wiener Integrationsfonds als Vertreter der Wiener Integrationskonferenz
· Dezember 2003 Vortrag des Positionspapiers der Wiener Integrationskonferenz zum Thema „Neue Verfassung in Österreich“ im Rahmen des Österreich-Konvents
· 2007/2008 Teilnahme an der Integrationsplattform des BMI als Vertreter des Österreichischen Hilfswerks (seit Jänner 2009 „Hilfswerk Österreich)


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