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Ioan Holender

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Beruf: ehem. Direktor der Wiener Staatsoper
Geburtsjahr: 1935
Wurzeln: Rumänien

Ioan Holender war österreichischer Sänger, Opernagent und Operndirektor rumänischer Herkunft.

Holender stammt aus einer jüdischen Familie und wuchs dreisprachig auf. Sein Vater hatte in Timişoara (auch Temeswar) eine Marmeladen- und Essigfabrik, die 1948 enteignet wurde. Um einen Zugang zum Studium zu erhalten, arbeitete er zuerst ein Jahr bei der Straßenbahn. Anschließend studierte er Maschinenbau mit der Fachrichtung Dampfmaschinen an der Technischen Hochschule Timişoara. 1956 wurde er aufgrund der Teilnahme an der Studentenbewegungen aus politischen Gründen von allen Hochschulen des Landes exmatrikuliert.

Danach arbeitet Ioan Holender bis 1959 unter anderem als Tennistrainer und Regieassistent, bis er durch die Möglichkeit der Familienzusammenführung nach Wien ausreisen durfte (seine Mutter war bereits in Wien). Ursprünglich wollte er sein Technikstudium fortsetzen, begann aber dann doch ein Gesangsstudium in Wien. Nach seinem Abschluss war er als Opernbariton und Konzertsänger zuerst am Stadttheater Klagenfurt und später in Sankt Pölten tätig.

1966 trat Holender als Mitarbeiter in die Theateragentur Starka ein, die er nach einigen Jahren übernahm und als Opernagentur Holender zu einer der bedeutendsten Agenturen machte.

1988 wurde er vom designierten Direktor Eberhard Waechter zum Generalsekretär der Wiener Staatsoper ab 1991 berufen. Dies führte in den Medien zu teils heftiger Kritik, weil Holender vorgeworfen wurde, mit der amtierenden Staatsoperndirektion von Claus Helmut Drese vertragliche Verpflichtungen ausgehandelt zu haben und zugleich bereits dessen Nachfolger zuzuarbeiten. Jene Sänger, so hieß es, deren Engagement er selbst der Staatsoper vermittelt habe, würde er nun zugleich als Mitglied der künftigen Opernführung kritisieren. (Waechter plante damals, das System der Abendverträge gastierender Künstler einzuschränken und durch einen verstärkten Ensembleaufbau sowie längerfristige Gastverträge zu ersetzen). Auch wurde geargwöhnt, Holender würde bei Engagements für die Spielzeiten Waechters gleichsam Sängerverträge mit seiner eigenen Agentur aushandeln. Schließlich zog sich Holender aus seiner Opernagentur zurück, die später innerhalb der eigenen Familie verkauft wurde.

Nach dem unerwarteten Tod Waechters im Februar 1992 wurde Holender am 1. April des selben Jahres zum Direktor der Staatsoper bestellt. Vier Jahre führte er auch gleichzeitig die Wiener Volksoper. Er bewirkte innerhalb kurzer Zeit erhebliche Korrekturen an Waechters konservativer Konzeption, ließ die Titel der gespielten Opern wie bis zum Juni 1991 wieder in der Originalsprache – also Le nozze di Figaro statt Die Hochzeit des Figaro – plakatieren und weichte das Ensembleprinzip durch eine Verstärkung kurzfristiger Abendverträge auf. Zudem verpflichtete er Exponenten moderner Operninszenierungen wie Herbert Wernicke, Götz Friedrich, Hans Neuenfels, Willy Decker oder David Pountney. Den Plan Waechters, ältere Inszenierungen unter der Leitung der jeweiligen Regisseure neu geprobt an der Staatsoper wiederaufzunehmen, legte Holender fast vollständig beiseite. Das von ihm gespielte Repertoire stützt sich im Wesentlichen auf die Neuinszenierungen seiner Direktionszeit, ergänzt von bekannten Schlüsselwerken oder einigen älteren Produktionen, deren geringerer Aufwand die Organisation des täglichen Spielplans erleichtern soll. Zudem setzte Holender – wie schon seine Vorgänger Drese oder Herbert von Karajan – wieder vermehrt auf Koproduktionen mit anderen Häusern, etwa den Salzburger Festspielen, der Mailänder Scala oder der Pariser Oper. Einige Inszenierungen der Wiener Staatsoper wurden an andere Opernhäuser verkauft oder ausgeliehen, etwa an die Bayerische Staatsoper in München, das Teatro La Fenice in Venedig oder die Metropolitan Opera in New York.

Holenders Vertrag wurde drei Mal verlängert und endete im Juni 2010. Holender ist damit der längstdienende Leiter in der Geschichte der Staatsoper.

In Berlin betreute Holender nach dem vorzeitigen Ausstieg des Intendanten Udo Zimmermann übergangsweise das Programm der Deutschen Oper.

Holender ist Lehrbeauftragter am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.


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