Diana Karabinova

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“Mein Herz schlägt auf Bulgarisch, aber Wien ist mein Zuhause”



Beruf: Migrationsbeauftragte, Turkologin
Geburtsjahr: 1970
Wurzeln: Bulgarien

Diana Karabinova ist seit 2011 Migrationsbeauftragte im Generalsekretariat des Österreichischen Roten Kreuzes in Wien.

Link zum Video-Statement -> http://youtu.be/Hejsf3TXgqQ

   

Mein Geburtsort heißt Burgas und liegt in Bulgarien am Schwarzen Meer. In Burgas bin ich aufgewachsen, in Burgas bin ich zur Schule gegangen, Burgas ist der Schauplatz meiner Kindheitserinnerungen. Burgas ist für mich die schönste Stadt der Welt. Und trotzdem wohne ich in Wien.

 

Das kam so: Bis 1989 war Europa in zwei Hälften geteilt, eine westliche und eine östliche. Die Menschen aus den osteuropäischen Staaten durften nicht ins Ausland reisen. Sie durften sich nicht einmal im eigenen Land in einer anderen Stadt niederlassen. Dafür brauchte man eine besondere Erlaubnis. In Osteuropa gab es keine Reisefreiheit.

 

Doch ich wollte neue Länder kennenlernen und neue Sprachen sprechen. So zog es mich zuerst an die Universität von Sofia, der Hauptstadt Bulgariens. Dann durfte ich einen Studentenkongress in München besuchen und bin einfach in Deutschland geblieben. Meine erste Station im Westen war ein Flüchtlingslager, und dann kam ich schon nach Wien.

 

Auf Deutsch konnte ich zuerst nur „Auf Wiedersehen“ sagen und „zwanzig“ – dieses Wort fand ich so lustig, dass ich es mir sofort merkte.

 

Ein Semester lang wohnten wir zu sechst – sechs Landsleute – in einer Wiener Zimmer-Küche-Wohnung. Dann wurde das der Vermieterin zu viel, und ich zog wieder um, diesmal in ein Studentenheim.

 

Wien kannte ich als Jugendliche in Bulgarien vom Neujahrskonzert, das sich meine Mutter jedes Jahr im Fernsehen ansah, und von Graham Greenes Roman „Der Dritte Mann“. Als ich nach Wien kam, dauerte es eine Weile, bis ich das Wienerische verstand. Dafür half es mir sehr, dass ich Türkisch konnte, und dass ich als Bulgarin Bosnisch/Kroatisch/Serbisch leicht verstehe, war ein weiterer Vorteil bei der Integration in Wien.

 

Ich studierte Turkologie und Anglistik, daneben hatte ich viele Studentenjobs: Ich war Babysitterin, Zettelverteilerin, Kellnerin, wissenschaftliche Assistentin und Tutorin an der Uni Wien. Dann begann ich Lesen und Schreiben auf Deutsch zu unterrichten – für Leute, die in ihrem Heimatland keine Schule besucht hatten.

 

Auf diese Weise begann ich im Integrationsbereich zu arbeiten, für Menschen, die wie ich in Wien ihre Heimat gefunden haben. Internationalität, der Reiz der Verschiedenheit und Offenheit gegenüber anderen Menschen und Lebensweisen waren immer für mich wichtig.

 

Heute bin ich Migrationsbeauftragte beim Österreichischen Roten Kreuz. Das ist mein Traumjob – ich arbeite in meinem Lieblingsbereich, und das in der größten humanitären Organisation Österreichs. Hier kann ich vermitteln, was Integration und Migration für die Zuwanderer und für die Aufnahmegesellschaft bedeuten, ich schlage Projekte vor und führe sie auch durch.

 

Wien gefällt mir, weil es eine bunte Stadt geworden ist, in der viele verschiedene Menschen leben und arbeiten. Ich kenne die Wiener als hilfsbereite Menschen, und mit der Zeit sind in Wien die Verschiedenheit, die Buntheit, die Diversität ganz normal geworden. Da fühle ich mich als Zugewanderte wohl.

 

Wien ist für mich die zweitschönste Stadt der Welt, gleich nach Burgas. Die Verbindung zu meinem Heimatland bleibt aber stark. Im Herzen bin ich eine stolze Bulgarin. Aber wenn mich in Wien jemand fragt: „Wie oft fährst du nach Hause?“, dann sagte ich ohne nachzudenken: „Hier ist mein Zuhause!“

 

Kontakt mit dem Projektteam aufnehmen projektXchange@roteskreuz.at